Dermatologie & Allergologie
Herpes-simplex: Diagnose
Definition
Pantrope, fakultativ neurotrope Viruserkrankung durch Primärinfektion mit Herpes-simplex-Virus oder durch Reaktivierung von in Ganglien persistierenden Viren.
Erreger
Herpes-simplex-Virus Typ 1 und 2:
Im typischen Fall verursacht die Infektion mit HSV-1 und -2 einen lokalisierten Bläschenausschlag der Haut oder der Schleimhaut mit Rezidivneigung.
Inkubationszeit
2-7 Tage
Übertragung
HSV-1: Erstinfektion meist im Kleinkindalter durch Schmier- und Tröpfcheninfektion aus Herpesläsionen
HSV-2: Erstinfektion meist erst in der Pubertät durch Geschlechtsverkehr
Klinik
- nicht alle Erstinfektionen verlaufen klinisch apparent; wenn symptomatisch z. B. Gingivostomatitis herpetica, Vulvovaginitis herpetica
- schwere Verlaufsformen mit z.T. hoher Mortalität sind die Herpessepsis des Neugeborenen und Meningoencephalitis herpetica
- Sonderform bei atopischer Dermatitis: große Hautareale betroffen (Ekzema herpeticatum)
- Rezidive durch Irritation latent infizierter Neurone nach: fiebrigen Infekten (Herpes febrilis), Sonnenlichtexposition (Herpes solaris), Menstruation (Herpes menstrualis), Traumata (Herpes traumaticus), Magen-Darm-Störungen, aber auch durch Immunsuppression, hormonelle oder psychische Faktoren
Symptome
- gruppiert stehende, leicht gedellte Bläschen
- meist nachfolgend Sekundärinfektion (Pusteln)
- bei Befall der Schleimhaut: Erosionen
- Schwellung und Schmerzhaftigkeit der regionären Lymphknoten
Diagnostik
- Tzanck-Test (Virusriesenzellen)
- Immunfluoreszenztest (IFR)
- Viruskultur
- DNS-Nachweis von Herpes-simplex-Virus (besonders wichtig bei Herpesenzephalitis im Liquor)
(siehe auch Infektionsnetz/Serodiagnostik)
Differentialdiagnosen
Abhängig von Manifestationsort und klinischem Verlauf:
- rezidivierende Aphthen
- Morbus Behçet
- Erythema exsudativum multiforme
- Bakterielle Infektionen
- Cocksackie-Virus-Infektion etc.
Manifestationen der Erstinfektion
Gingivostomatitis herpetica
- häufigste Form der Erstinfektion, meist bei Kleinkindern
- Schleimhautbefund: Gingivitis, Stomatitis, zahlreiche Aphthen
- Fieber, schmerzhafte zervikale Lymphadenitis, herabgesetztes Allgemeinbefinden
- Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme (Schmerzen)
Herpes simplex der Haut
Symptome
- gruppiert stehende, leicht gedellte Bläschen
- meist nachfolgend Sekundärinfektion (Pusteln)

Herpes simplex
(Mit freundlicher Genehmigung Roche AG)
Prädilektionsstellen
- HSV-1: Kopf (Lippen, Wangen, Mundschleimhaut)
- HSV-2: Genito-Glutealbereich
Verlauf
- Die Primärinfektion verläuft meist schwerer als das Rezidiv, Beschwerden je nach Lokalisation
- Bläschen - Erosion - Verkrustung - Abheilung ohne Narben
Vulvovaginitis herpetica
- Rötung und Schwellung der Vulva
- gruppiert stehende Bläschen
- schmerzhafte inguinale Lymphadenitis
- hohes Fieber
- Dysurie

Herpes genitalis
(Mit freundlicher Genehmigung Roche AG)
Sonderformen
Herpes simplex vegetans
Bei Patienten mit Immundefizienz (Transplantationspatienten, Hämoblastosen, AIDS) ulzerierende Herde an Mund-, Nasen- oder Genitalschleimhaut oder an Haut-Schleimhaut-Übergangszonen.
Keine Selbstheilungstendenz.
Herpes gladiatorum
Rezidivierender Herpes simplex an Fingern; kann eine bakterielle Paronychie imitieren. Besonders bei Zahnärzten und Ringern.
Eczema herpeticatum
Ausgedehnte Herpes-simplex-Infektion der Haut bei vorbestehender Hautkrankheit (atopische Dermatitis, Morbus Darier) durch Autoinokulation.
Die Bläschen sind nur sehr kurzlebig, daher ist das klinische Bild durch meist oberflächliche, teilweise konfluierende Ulzera geprägt.
Keratokonjunktivitis herpetica (Herpes corneae)
Schmerzhafte Erosionen und dendritische Ulzera der Kornea. Domäne des Ophthalmologen.
Herpes-simplex-Enzephalitis
- Bewusstseinstrübung
- fokale neurologische Ausfälle
- hohes Fieber
Risikogruppe: Neugeborene von Müttern mit einem floriden Herpes genitalis während der Geburt
Letztes Update:26 Mai, 2011 - 07:37








